Dr. Ulrich Cimolino, Leiter des Arbeitskreises Waldbrand des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), nimmt angesichts der bisherigen und erwarteten Wetterlage anlässlich einiger Brände aus den letzten Wochen zur Vegetationsbrandlage wie folgt Stellung:
Der DFV verstärkt aufgrund der Wetterentwicklung die Warnhinweise vom 18.06.2026 vor folgendem Hintergrund:
- Der Waldbrandgefahrenindex (WGI) steigt und wird in weiten Bereichen im Süden und Osten die Stufe 4 sowie ab Mittwoch, den 25.06.26, zuerst in Teilen Niedersachsen, dann in größeren Bereichen Brandenburgs, aber auch in anderen Bundesländern die Stufe 5 (von 5) erreichen!
- Der Graslandfeuerindex (GFI) steigt ebenfalls und wird quer durch Deutschland weitgehend die Stufe 4 (von 5) erreichen!
1. Bisherige Wetterlage und dadurch bedingte allgemeine Gefahrenlage in der Vegetation
Nach einem in weiten Teilen Deutschlands zu warmen und zu trockenen Winter 2025/2026 folgte bisher ein Frühjahr, das erneut in einigen Bereichen v.a. im Süden und Osten zu wenig Niederschläge bei weiter im langjährigen Vergleich eher zu warmen Temperaturen mit sich brachte.
Weil das so war, konnten die oberflächennahen Wasserspeicher nicht überall ausreichend aufgefüllt werden. Das sieht man zum Beispiel im Helmholtz-Dürremonitor: https://www.ufz.de/index.php?de=37937 (Link auf externe Seite)
Der Wetterverlauf der nächsten Wochen ist aktuell in den verschiedenen Vorhersagemodellen noch von sehr wechselhaften Einflüssen geprägt. Lokal sind hier bei sommerlichen Temperaturen auch stärkere Gewitterereignissen mit Niederschlägen möglich.
Punktuell können die 30-30-30 Warnschwelle (mehr als 30 Grad Lufttemperatur, weniger als 30 % rel. Luftfeuchte und mehr als 30 km/h Wind) und damit lokal sehr schnell auch weitere Erhöhungen des WGI bzw. GFI erreicht werden.
Die Erntezeit für die ersten Getreidesorten steht bevor. Die trockenen Halme bzw. organischen Stäube bei der Ernte sind nicht nur relativ leicht entzündlich, Feuer auf diesen Feldern breiten sich mit dem Wind auch noch sehr schnell aus.
Da bei durchschnittlich in den nächsten Wochen wärmeren Temperaturen in der Langfristprognose (s. unten) relativ wenig ergiebiger Niederschlag erwartet wird, kann in den nächsten Wochen natürlich eine weitere Verschärfung der Lage eintreten!
https://www.dwd.de/DE/leistungen/graslandfi/graslandfi.html (Link auf externe Seite) https://www.dwd.de/DE/leistungen/waldbrandgef/waldbrandgef.html (Link auf externe Seite)
Das Risiko von Feuern in tieferen Bodenschichten (trockene Moore, Humusschichten mit hohen organischen Bestandteilen) ist aufgrund der fehlenden Bodenfeuchte in den einigen Gebieten nicht zu unterschätzen.
2. Erwartete Wetterlage – inkl. der Langfristprognose
Die nächsten Wochen werden in Deutschland mit großer Wahrscheinlichkeit weitgehend trocken und (etwas zu) warm bleiben.
Die Langfristprognose des European Weather Forecast System (EFFIS) reicht aktuell bis ans Ende der 2. Dekade des Juli 2026 und weist weiter im Durchschnitt zu hohe Temperaturen für weite Teile Europas aus.
https://effis.jrc.ec.europa.eu/apps/effis.longterm.forecasts/ (Link auf externe Seite)
Sollte das so eintreffen, wird es
- In den meisten Teilen Deutschlands bis weit in den Juli hinein bei etwas zu wenig bis durchschnittlichen Niederschlägen überdurchschnittlich warm.
- In Südeuropa werden in den nächsten Wochen etwas zu warme Temperaturen mit eher zu wenig Niederschlag erwartet.
3. Grundsätzliche Gefahren bei Änderungen der Wetterlage
Wie man aus dem Dürremonitor auch gut sehen kann: Es gibt in einigen Teilen Deutschland Wasserdefizite in den oberen bis tiefen Bodenschichten. Um diese aufzufüllen, bräuchten wir längeren „Landregen“.
Jede längere Trockenphase kann also schnell wieder zu Problemen wie in den letzten Jahren (2018 – 2020, 2022, 2025) führen.
Wenn es so lange so heiß bleibt, steigt auch die Gefahr der Selbstentzündung von Munitionsresten in Oberflächennähe – wie z.B. als Entstehungsursache für die großen Brände im Sommer 2025 in der Gohrischheide vermutet.
Da dies immer in Gebieten mit mehr Munitionsresten erfolgt, treten dann wieder sofort die begleitenden Probleme in der Brandbekämpfung auf, weil hier von den Kampfmittelräumern i.d.R. schnell größere Sperrradien verhängt werden.
4. Empfehlungen zum Verhalten für die Bevölkerung
Der DFV weist darauf hin, dass insbesondere nach einigen Tagen Sonnenschein die trockenen Pflanzenreste in Bodennähe relativ leicht zu entflammen sind! Das gilt auch, wenn regional „nur“ ein Graslandfeuerindex von 3 gelten sollte.
Ein Feuer breitet sich dann mit dem Wind und hangaufwärts schnell aus.
Alarmieren Sie schon beim Verdachtsfall auf einen Vegetationsbrand die Feuerwehr unter 112.
Geben Sie eine möglichst genaue Orts- bzw. Anfahrtsbeschreibung an; sofern möglich, gern auch mit den GPS-Koordinaten aus Ihrem Smartphone, oder unter Verwendung der Angabe z.B. aus den Forstrettungspunkten (vgl. https://kwf2020.kwf-online.de/rettungspunkte/ (Link auf externe Seite)).
Falls notwendig, weisen Sie die ersten Einheiten der anrückenden Feuerwehr ein, damit der Brandherd schneller bekämpft werden kann.
Sofern es sich um einen Entstehungsbrand handelt, versuchen Sie ihn mit etwas Wasser oder durch Ausstreichen mit einem feuchten Tuch oder einem Ast klein zu halten, wenn das noch gefahrlos möglich ist.
In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hin, dass es grundsätzlich unvernünftig ist, in Deutschland sogar teilweise ganzjährig, bzw. überall vom 01.03. bis 31.10. verboten ist, im Wald offenes Feuer zu verwenden oder zu rauchen!
Das gilt auch und insbesondere für Brauchtumsfeuer – wie Sonnwendfeuer etc.
Derartige Feuer können natürlich regional gefahrlos möglich sein, wenn dort in den letzten Wochen genug Niederschläge gefallen sind, um eine wachsende, „feuchte“ Vegetationsschicht am Boden zu haben. Überall wo sich allerdings v.a. trockene Pflanzenreste am Oberboden finden, muss sehr sorgfältig mit offenem Feuer (auch Grillstellen um Häuser oder in Wiesen bzw. eben Sonnwendfeuern) umgegangen werden.
Die trockenen, losen Vegetationsreste können entweder entfernt oder eingeackert werden, um die Zündgefahr zu reduziert. Das Einnässen bringt bei den hohen Temperaturen in der Luft und im Boden recht wenig, weil die Verdunstung am Tag durch die Sonne bzw. durch das Feuer recht hoch ist.
Grundsätzlich sollten ausreichend Löschmittel schnell verfügbar vorgehalten werden. Hier bietet sich v.a. Wasser an. Bei Brauchtumsfeuern sollte sowieso immer eine Absprache mit den Ordnungsbehörden und der Feuerwehr erfolgen. Dies gilt umso mehr für trockene Wetterlagen. Eine Untersagung kann leider die Konsequenz aus trockener (und ggf. sogar noch windiger) Wetterlage, kritischer Umgebung oder anderen zusätzlichen Risikofaktoren sein.
5. Empfehlungen zum Verhalten der Land- und Forstwirtschaft
Maschinen bzw. Arbeiten der Land- und Forstwirtschaft sind leider oft selbst Zündquelle.
Moderne Fahrzeugkabinen sind gedämmt und klimatisiert, der Fahrer bemerkt einen Schaden am Fahrzeug daher oft sehr spät.
Beachten Sie die Anzeigen im Fahrzeug, insbesondere in Bezug auf die Überhitzung oder Überlastung der Motoren und Aggregate.
Warten Sie die Fahrzeuge und Geräte rechtzeitig nach den Herstellervorgaben bzw. Betriebserfahrungen, damit es möglichst nicht zu heiß gelaufenen Lagern, verschmutzten Kühlern, oder durchgescheuerten Hydraulikschläuchen kommt.
Versuchen Sie bei einem Schaden am Fahrzeug eine befestigte Fläche mit nicht brennbarem Untergrund, z.B. einen Forstweg, zu erreichen. Das verhindert eine schnelle Ausbreitung und erleichtert der Feuerwehr die Erreichbarkeit der Einsatzstelle.
V.a. bei Arbeiten in weit abgelegenen Gebieten mit längerer Anfahrt der Feuerwehren: Führen Sie eigenes Löschgerät mit!
6. Empfehlungen für die Feuerwehren
Diese sommerlichen bis tropischen Temperaturen belasten Personal und Fahrzeuge weit mehr als üblich.
Bei Einsätzen ist daher besonderen Wert auf die Auswahl der richtigen (leichten) PSA und Geräte (z.B. D- statt C-Schläuche) sowie ausreichend Reserven und Versorgung (ausreichend Getränke!) zu legen.
Achten Sie bei stationären Tätigkeiten mit laufenden Motoren auf die Lage des Abgasstrahls zur Art der Bodenoberfläche bzw. des dort vorhandenen Bewuchses oder gar trockenen Vegetationsteilen (z.B. Stroh, Heu…).
Zum Ablenken des heißen Abgasstrahls auf weniger kritische Flächen ggf. Abgasschläuche verwenden, Löschwasser (z.B. Schnellangriff eingesetzt durch den Maschinisten) bereithalten.
Bei flächigen Bränden mit längerer Einsatzdauer sollten schnell ausreichend Einheiten für die Brandbekämpfung am Boden, aus der Luft und für die Unterstützung z.B. für die Wasserförderung und den Wassertransport herangezogen werden. Dafür bieten sich die Strukturen des Fähigkeitsmanagements an: https://www.bbk.bund.de/DE/Themen/Krisenmanagement/Faehigkeitsmanagement/faehigkeitsmanagement.html (Link auf externe Seite)
Entsprechend qualifizierte Fachberater können insbesondere bei topographisch schwierigen Lagen, bei Einsätzen mit vielen verschiedenen Beteiligten und bei besonderen Gefahren bzw. unklaren Ausbreitungsprognosen die örtlichen Einsatzleitungen wertvoll unterstützen. Je früher dies angefragt wird, umso schneller kann die Unterstützung bereitgestellt werden.
Die Lufttemperaturen sind die nächsten Tage über bzw. um 30 Grad und die Winde werden in den meisten Landesteilen moderat erwartet. Daher wird es i.d.R. gut möglich sein, die Feuer im Bereich des Entstehungsbrand einzudämmen und zu löschen – wenn sie rechtzeitig gemeldet wurden.
Die Winde können allerdings nach den aktuellen Vorhersagen Anfang Juli lokal auch Böen bis Windstärke 5 (frische Brise) erreichen. Das kann dort zur Beschleunigung und auch zu Richtungsänderungen in der Brandausbreitung führen – sowie nicht vollständig gelöschte Glutnester wieder anfachen! In der Nähe von Gewitterzellen können sich dazu auch eigene Windeffekte bilden, die sich in Richtung und Stärke zu den Vorhersagen unterscheiden können!
Die Feuerwehren sollten daher vorsorglich die lokale Wetterlage und -entwicklung auch im Einsatz beachten. Die Nachlöscharbeiten müssen wie immer sorgfältig durchgeführt und mit einer Brandnachschau verbunden werden.
Aufgrund der Temperaturen von z.T. deutlich über 30 Grad (im Schatten) ist auf geeignete leichte Schutzkleidung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr zu achten!
Die Lage kann sich regional durch eine Abkühlung mit einsetzenden Niederschlägen tageweise entspannen. Solange die Temperaturen aber nicht stärker zurückgehen und ergiebige längere Niederschläge fallen, nehmen die Vegetationsbrandrisiken mit jedem weiteren heißen Tag zu.
Weitere Informationen finden Sie unter anderem auf diesen Webseiten:
- Helmholtz-Dürremonitor: https://www.ufz.de/index.php?de=37937 (Link auf externe Seite)
- DWD-Bodenfeuchte unter vorherrschender Landnutzung (mit Zoom und Historie): https://dwd.de/DE/fachnutzer/landwirtschaft/appl/bf_view/_node.html (Link auf externe Seite)
- DWD-Graslandfeuerindex: https://www.dwd.de/DE/leistungen/graslandfi/graslandfi.html (Link auf externe Seite)
- DWD-Waldbrandgefahrenindex: https://www.dwd.de/DE/leistungen/waldbrandgef/waldbrandgef.html (Link auf externe Seite)
Das Risiko von Feuern in tieferen Bodenschichten (trockene Moore, Humusschichten mit hohen organischen Bestandteilen) ist aufgrund der geringen Bodenfeuchte in einigen Bereichen höher als üblich. Einsätze im Bergwald der letzten Wochen haben das eindrucksvoll belegt.
Der DFV gibt für seine Mitglieder auch zu diesem Thema Fachempfehlungen heraus, diese umfassen z.B. für den Einsatz bei Vegetationsbränden:
https://www.feuerwehrverband.de/fachempfehlung-vegetationsbrand-aktualisiert/
https://www.feuerwehrverband.de/app/uploads/2022/03/DFV-FE_Luftfahrzeuge_2022.pdf
Die Bund-Länder-offene AG Nationaler Waldbrandschutz hat mit Beteiligung des DFV durch die UAG Ausbildung eine Empfehlung zu den Ausbildungsinhalten der Vegetationsbrandbekämpfung veröffentlicht. Der aktuelle Stand von Mai 2026 ist hier zu finden: https://lernplattform-babz-bund.de/ilias.php?baseClass=ilrepositorygui&cmdNode=wv:ld&cmdClass=ilobjcategorygui&ref_id=148963&item_ref_id=0 (Link auf externe Seite)

