Letzter Einsatz
02.03.2012 von Cord Behrens
Technische Hilfeleistung auf BAB1
Notfallseelsorge
Menschen an Grenzen begleiten
-Möglichkeiten der Notfallseelsorge-
Gemeinsam mit dem Kirchenkreis Rotenburg sorgt der Kirchenkreis Bremervörde-Zeven für die Gebietsabdeckung der Notfallseelsorge (abgekürzt: NFS) im gesamten Landkreis. Beide NFS-Systeme kooperieren miteinander, unterscheiden sich jedoch an einigen Stellen strukturell. Andreas Hellmich, selber aktiver Feuerwehrmann in der Ortsfeuerwehr Bremervörde und Leitender Notfallseelsorger im Kirchenkreis Bremervörde-Zeven, verantwortet den Arbeitsbereich, der hier vorgestellt wird.
Was verbirgt sich hinter der Notfallseelsorge als akuter Krisenhilfe?
Es gibt Situationen, in denen Menschen plötzlich vor einem Trümmerfeld stehen und zutiefst erschüttert sind: z.B. durch den plötzlichen Tod eines nahe stehenden Menschen, einen schweren Unfall oder das Erleben eines Unglückes.
Da stehen Angehörige an der Einsatzstelle. Kinder sind wie betäubt. Ersthelfer kämpfen mit dem gerade Erlebten. Bewohner sehen fassungslos die lodernden Flammen in ihrem Haus.
Menschen stehen im Augenblick ganz allein mit ihrem Erleben. Manchmal verstehen sie die Welt und sich selbst nicht mehr. Sie stehen neben sich. Nicht immer können sofort vertraute Menschen hilfreich zur Seite stehen. Dann kann die NFS eine „Erste Hilfe für die Seele“ werden und kompetent Hilfe leisten. Sie begleitet Menschen an ihren Grenzen und sucht gemeinsam mit ihnen nach Wegen in das „danach“. Sie entlastet damit zugleich Einsatzkräfte.
Wie kommt die Notfallseelsorge zum Einsatz?
NFS versteht sich als fachliche Ergänzung für die Arbeit von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei. Jede Einsatzkraft kann sich somit auf das konzentrieren, was sie gut kann. Sobald die Einsatzkräfte also seelsorgerische Unterstützung als sinnvoll erachten, können sie über die Leitstelle die NFS anfordern. Nach einer Alarmierung über Melder unterbricht der diensthabende Notfallseelsorger seine bisherige Tätigkeit und versucht in der Regel, Kollegen in der Nähe des Einsatzortes zu erreichen. Gelingt dieses nicht, übernimmt er selber den Einsatz. In jedem Fall geschieht etwas zeitnah.
Wer steht hinter der Notfallseelsorge?
Träger ist der Kirchenkreis Bremervörde-Zeven. Geleistet wird der Dienst von einem Team aus 23 Personen (Pastoren und Pastorinnen sowie ein katholischer Diakon). In einer wechselnden Rufbereitschaft ist rund um die Uhr an jedem Tag des Jahres ein Notfallseelsorger im Dienst – so selbstverständlich wie Notarzt, Polizei oder Feuerwehr. Alle Mitarbeitenden arbeiten ehrenamtlich. Einige bringen dazu neben ihrer beruflichen Praxis zusätzlich speziell erworbene Qualifikationen ein. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der NFS stehen unter Schweigepflicht und tun ihren Dienst unabhängig von Glaube, Nationalität und Kirchenzugehörigkeit. Entscheidend ist allein der Mensch, der in Not geraten ist. Der Einsatz der NFS wird vom Kirchenkreis finanziert und ist für die Betroffenen kostenlos.
Für Einsatzkräfte: Notfallseelsorge als Fachberatung.
Auch Einsatzkräfte sind keine Maschinen, sondern Menschen. Bilder und Erlebnisse von Unglücken und Unfällen können zur Belastung für Gegenwart und Zukunft werden, aber sie müssen es nicht. Rechtzeitige Hilfe kann helfen. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen nach, dass die wirksamste Hilfe in der Prävention liegt. Dem stellt sich die Fachberatung NFS.
Prävention
In der Truppmannausbildung ist das Thema „Physische und psychische Belastungen im Einsatz“ im Ausbildungsplan seit einigen Jahren vorgesehen. Doch der Umgang mit Stressfaktoren und belastenden Eindrücken gehört nicht nur an den Anfang der Ausbildung, sondern genauso in die fortlaufende Ausbildung. Die Fachberatung NFS bietet dabei ihre Hilfe an. Der Leitende NFS und FW-Kamerad Andreas Hellmich ist inzwischen an vier Ausbildungsstandorten in der Truppmann-Ausbildung ganz selbstverständlich integriert. Genauso wird er zu Dienstabenden eingeladen. Neben dem o.g. Ausbildungsmodul hat er auch speziell für PA-Träger eine Fortbildung zum Thema Stress und Stressbewältigung entwickelt oder vermittelt bei Rettungsdienst und Feuerwehr Grundkenntnisse zur „Psychischen Ersten Hilfe“, wie sie z.B. für den Inneren Retter bei PKW-Unfällen oder bei der Angehörigenbegleitung hilfreich sein können.
Begleitung und Nacharbeit
Genauso sinnvoll kann es sein, die NFS z.B. bei langandauernden Einsätzen oder Verletzung/ Tod einer Einsatzkraft hinzuziehen und/ oder für eine Nacharbeit zu sorgen. „Aus Sicht der Unfallkommission ist die Integration der Notfallseelsorge ... in die Prävention ... und eine strukturierte, abgestufte Einbindung in die Alarm- und Ausrückeordnung zu empfehlen.“ heißt es im Abschlussbericht nach dem Kellerbrand an der Göttinger Uni mit Todesfolge für einen FW-Kameraden (S.60). „Die Frage ist, wie man >Einsatzende< definiert: >Fahrzeuge gereinigt und ausgerüstet wieder am Standort< oder gehört der Blick auf die eingesetzten Kräfte und deren >Status< dazu?“ (S. 57) Durch Einzel- oder Gruppengespräche, ergänzende Begleitung der Angehörigen oder Vernetzung mit anderen Fachkräften sollen Einsatzkräfte an Leib und Seele gesund bleiben.
Die NFS bietet ein Gesamtkonzept an, so wie es auch vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe als wirksame Unterstützung für Einsatzkräfte im Blick ist. Weiterführende Ideen dazu gibt es bereits bei der NFS. Mal schauen, was daraus noch werden kann im Blick auf das Ziel: Menschen an Grenzen begleiten.
Kontakt und weitere Infos: Andreas Hellmich * Buchenstr. 13 * 27432 Bremervörde * Tel. 04761 - 747488 * e-mail: notfallseelsorge@kkbz.de



